2003  2002  2001:2 /1
2000  1999  1998
Heim  Kurzg.  Fotog.
ZEITRAFFER  1999
die satirische Filmkritik
  Magnolia, American Beauty, Deep Blue Sea, Komiker, Cube, A bug's Life, Antz, The world is not enough, Dogma, Les enfants du marais, Buffalo '66, The straight Story, The Mummy, Beresina oder die letzten Tage der Schweiz, The Matrix, Godzilla

 
Mensch, Natur, Allerlei

MAGNOLIA

Der einzige Film, bei dem wir trotz Zeitraffer bedauerlicherweise empfehlen müssen: nehmen Sie sich die Zeit, gehen Sie hin und schauen Sie ihn an (189 Minuten)! Noch hat niemand herausgefunden, worum es darin geht, und ob um etwas.


 
Allerlei Untergründiges

AMERICAN BEAUTY

Vielseitiger Film zu so verschiedenen Themen als da sind: wieviel Abfindung bezahlt ein hirnamputierter Chef aufgrund einer haltlosen, lächerlichen Drohung? Immobilienhandel. Rasenpflege. Fitnessgeräte. Biederkeit und Homosexualititität. Mit hübschen Blümchen bedeckte Prüderie. Homos und Nazis. Andere Probleme in der Nachbarschaft. Familientisch. Collage-Basketball. Besonderes Gewicht liegt auf dem Thema 'Schauspiel unter der erschwerten Bedingung eindimensionaler Tiefe'.


 
Hitziger Disput unter
Meeres-Experten

DEEP BLUE SEA

Ein provokatives Pamphlet radikaler Tierfreunde. Es wird die Behauptung aufgestellt, dass das Denkvermögen von drei riesengrossen Haien mit säbelartigen schneeweissen Zähnen (sie haben im Lauf der Evolution gelernt ihr Gebiss zu blecken wie Hunde) um ein Vielfaches höher ist, als dasjenige von zehn hochdotierten Meeres-Biologen. Eine versöhnliche Note bringt erst der Schluss, wo die Rest-Biologen die Party glücklich gewinnen.


 
Die Pensionsten

KOMIKER

Sozial engagiertes Plädoyer für die Frühpensionierung. Nach einem erfüllten Leben zieht sich Roni Beck mit 35 Jahren in seine persönliche Privatsphäre zurück. Er beschliesst also, die Frauen (weiterhin) Frauen sein zu lassen, das bürgerliche Arbeitsleben ein Arbeitsleben, und quartiert sich in einem Altersheim ein. Der Film zeigt die verständnislose bis aggressive Reaktion der Gesellschaft, die dadurch ausgelösten Zweifel, aber auch die beglückenden Erfahrungen des frühpensionierten Einzelnen. Der Film endet mit einer Bewusstseinsreise Ronis, der aufbricht, um neue Welten zu entdecken.


 
Ohne Fleiss kein Preis!

CUBE

Der praktische Nutzen von Arithmetik und Autismus heute. Ohne wird man von der Gesellschaft zermantscht. Ein pädagogisch überaus wertvoller Film. Regisseur Vincenzo Natali stellt zuerst einmal umsichtig fest, dass es verschiedene Fragen gibt, zu denen eventuell andere Filme eine Aussage machen: Ist das System die Hölle? Sind wir unsere Wölfe? Sind wir das System? In der Folge gibt er der Ueberzeugung der gesamten Lehrerschaft des Oberstufenschulhauses Merzwil Ausdruck, dass man nur mit dem fleissigen Lernen von Zahlenreihen frei werden kann. Es folgt die Ueberzeugung der Belegschaft des Pflegeheims Gipsberg, dass man nur als autistischer Stotterer frei werden kann. Also auch eine Abgrenzung der Generationen. Ausbrechen kann man nicht durch ein Hippie-Dasein, wie Mami und Papi es übten, sondern einzig durch Fleiss in der Arithmetik und Fleiss im Autismus.


 
Haben wir uns nicht
schon mal gesehen?

A BUG'S LIFE / ANTZ

Wie war das anno domini im Trickfilm-Studio? Ein Gewusel von Zeichnern, ein Probieren und Verwerfen, ein Diskutieren und Streiten. Kurzum: eine unnötige Verschwendung von menschlichen Ressourcen. Im Spielfilm haben die Hollywood-Studios dieser Ineffizienz abgeholfen, indem immer das gleiche Drehbuch verfilmt wird (das sog. Mother-Script), an dem allerhöchstens 10 Prozent verändert werden dürfen. Mit der neuen Computer-Technologie macht jetzt auch der Zeichentrickfilm einen gewaltigen Schritt in die Zukunft. Die Physiognomie und die Bewegungen der Figuren sowie der Hintergrund können gespeichert und - mit leichten Aenderungen - immer von Neuem verwendet werden. "A bug"s life" und "Antz" ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, "The road to eldorado" und "Ein Königreich für ein Lama" ein anderes. Walt Disney versichert, dass es schon bald möglich sein werde, dass ein einziger Techniker drei neue Trickfilme produziert hat, bevor er am späten Freitagnachmittag ins Wochenende geht.


 
Die Fundis

THE WORLD IS NOT ENOUGH

In der Zeit der internationalen Plauderei, der Wellness, der gottlosen Vertrauensseligkeit und der allgemeinen Weicheierei eine Kampfansage der restrukturierten Geheimdienst-Fundis an den internationalen Terrorismus. Der internationale Terrorist kennt keinen Schmerz! Halbleichen mit Kugeln im Hirn bauen gerade jetzt eine Atommacht auf (für Saddam und die Schurken), traumatisierte französische Sexbomben sind den Leichen zu Willen. Die Geheimdienste verschliessen die Augen vor dieser unappetitlichen Situation nicht und stellen eine klare Forderung: Da ein einzelner Supermann ins Schwitzen kommt, braucht der liberale Kapitalismus - zusätzlich zu den Boy- und Girl-Groups - eine schlag- und stosskräftige Truppe von Aktivisten, welche die intakte Weltgemeinschaft verteidigt. Eine breitangelegte Spendenaktion unter dem Patronat von BMW läuft. Der Film wurde übrigens mit dem Oskar für die raffinierteste Nebenszene ausgezeichnet, in welcher der Terroristen-Guru Renard sein Nachtquartier bei J. Fischer bezieht.


 
My God! Who the hell
am I! What's my name?

DOGMA

Ein Film für Freaks. Ein Film für die Rekordbücher der Filmgeschichte. Bei einer Dauer von 94 Minuten werden rekordlange 71 Minuten für Erklärungen gebraucht. Wer ist wer? Woher stammt der Name der Person? Welche Funktion hat die Person in der Bibel/Mythologie oder eine Person mit dem gleichen Namen? Was ist jetzt die Aufgabe der Person im Film? Und zu welchem Zweck wird dies alles erklärt? Ein weiterer Rekord schauspielerischer Art geht dabei fast vergessen: Linda Fiorentino (alias Bethany) steht unerreichte 68 Minuten mit offenem Mund, als personifiziertes Erstaunen da. Ihr ganzer Text, den sie bravourös spricht, besteht in den folgenden Sätzen: 'Und wer bin ich? Und warum gerade ich?'


 
Spaziergang vor dem Essen

LES ENFANTS DU MARAIS

Gemütliches Essen von Froschschenkeln mit Weisswein, Rotwein, Zwiebeln, Froschschenkel mit Kartoffeln, Rüben, Frosch mit Brot, Frosch gebraten, gebacken, gekocht. Dazwischen verspeisen von Schnecken mit Weisswein, mit mehr Schnecken, mit Gemüse, Schnecken im Teig, Schnecken auf Salat, Wald- und Wiesenschnecken. Mensch und Natur.


 
Die Blondine verknallt sich

BUFFALO '66

Ein Film, der allen Liebesunglücklichen, Verzweifelten Mut macht. Der argwöhnischste, misslaunigste, komplexbeladenste, hässlichste und verbohrteste Frotzelbruder, der je frei herumlief, kommt aus dem Knast. Alle anderen Knastis rennen bekanntlich sofort ins Hurenhaus, um die Mangeljahre des Sex abzuarbeiten, besaufen sich sodann und rächen sich an den Ex-Kumpels, von denen sie verpfiffen worden sind. Unser Mann aber hat seit sechs Jahren nicht gepisst und verbringt zwei Tage auf Pissoirs, geht sodann drei Tage lang kegeln, besucht fünf Minuten seine böse alte Mutti, und macht sich dann eben auf, seine Ex-Kumpels umzulegen. Zwischenzeitlich dreht er dem ersten blonden Fräulein, das er draussen antrifft, fast den Hals um. Was aber macht das Fräulein? Richtig! Es fällt unsterblich in Liebe mit dem garstigen Gesellen. Allen hässlichen Entlein an Körper und Seele ruft Regisseur Vincent Gallo hier kräftig ins Ohr: "wo die Liebe hinfällt!"


 
Mäht die USA

THE STRAIGHT STORY

Ein Hausabwart und Vietnam-Veteran hat die fixe Idee, dass der US-Rasen zu lange schon nicht mehr gemäht worden sei. Eines Tages hat er genug. Er setzt sich auf seinen Rasenmäher, fährt quer durchs Land und mäht jeden Rasen, der ihm unter die Räder kommt. Kein besonnener Bürger kann ihn stoppen. Als er jedoch auf das Grundstück seines Bruders trifft, zögert der Abwart. Schliesslich steigt er vom Rasenmäher herunter und setzt sich zu seinem Bruder auf die Veranda, wo sie den Rest ihrer Tage damit zubringen, schweigend in die Sterne zu gucken.


 
Der Fremdenfeind

THE MUMMY

Ein politisch brisanter Film. Er zeigt schonungslos, wie sich das einfache Volk der erstbesten Mumie anschliesst, die pathetisch Botschaften verkündet, welche längst für vergessen und begraben gehalten wurden. Und er macht deutlich - auch wenn dies eine unbequeme Einsicht sein mag - dass vor allem die ungebildeten, nicht motorisierten Massen der dritten Welt in den Bann dieser Politiker geraten, welche die Besinnung auf traditionelle Werte, den bedingungslosen Glauben an den Vorrang der eigenen Kultur und Überlieferung, geeintes Vorgehen, und den Tod der Ausländer fordern. Daher ist es eben am besten, wenn zum Beispiel Amerikaner die entsprechenden Länder verwalten und bewirtschaften.


 
Typisch jüdisches
Dekadenz-Bild

BERESINA oder die letzten Tage der Schweiz

Angriff des Moskauer Judentums auf die Schweiz. Regisseur Daniel Schmid wurde unter subtile Drogen gesetzt und manipuliert. Aussage: die Schweiz ist eine Hure! Ausserdem wohnt die Russin ohne gültige Aufenthaltsbewilligung im Herzen der Schweiz, die Fahnder der Fremdenpolizei bemerken nichts, und später wird das Einbürgerungsverfahren perfid umgangen. Also jüdischer Angriff auf den Schweizerischen Föderalismus (das beste Verwaltungssystem) und auf die Schweizerische direkte Demokratie (die beste Legislative). Der Film ist vom Gesamtbundesrat in allen Belangen energisch zurückzuweisen.


 
Die überforderten User

THE MATRIX

Weist auf die Gefahren der Computer-Technologie hin. Viele User haben die Erfahrung gemacht, dass sie von den Möglichkeiten einer Software übertölpelt werden. Obwohl sie ursprünglich nur einen Aushang ausdrucken wollten, wonach das Altpapier am Donnerstagmorgen eingesammelt werde, standen sie am Schluss mit einer zwanzigseitigen, vierfarbigen Präsentationsmappe samt vortragstauglicher Klarsichtfolien und einem akkustischen Erkennungs-Signet da. Matrix zeigt versöhnlich, dass die Hardware dasselbe Problem mit ihrer Software hat. Der Matrix-Computer bezieht zu seinem Betrieb Energie aus Körperwärme, und entwirft daher eine hochkomplexe Vorstellungswelt - für hochkomplexe Menschen, die bald ihre Körperwärme verweigern und Revolution machen - anstatt schlicht und ergreifend Elefanten in einem virtuellen Fitnesskeller auf Laufbänder zu stellen.


 
Grosses Tier sucht eine
Wohnung in New York

GODZILLA

Die Forschung auf diesem Gebiet - die Megalobestia-Biologie - ist zwar noch jung, und die meisten Erkenntnisse sind nicht gesichert. Soviel aber steht fest: Tiere ab einer Grösse von 8 Metern machen sich unweigerlich auf, um in New York zu leben. Schon King Kong tauchte in der Stadt auf. Der Killerosaurus aus der Fortsetzung fährt ganz allein mit einem Tanker vom Jurassic Park in die Megacity, um hier abzuräumen, und die mutierte Echse Godzilla durchschwimmt sämtliche Weltmeere, um in N.Y., wo sie sehr sehr hungrig anlangt, ihre Eier abzulegen. Eine illegale Einwanderung übrigens, gegen welche sich die Behörde wacker zur Wehr setzt. Zugegeben - schäbige Godzillas wurden auch schon in Tokio gesichtet. Das waren aber Ausnahmen, welche die Regel bestätigen: grosse Tiere leben gerne in New York. Die BewohnerInnen von Paris, Barcelona, Berlin und Zürich sowieso werden also weiterhin mit ihren Ratten, Flöhen, Asseln und Plastikkühen vorlieb nehmen müssen.

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