2003  2002  2001:2 /1
2000  1999  1998
Heim  Kurzg.  Fotog.
ZEITRAFFER  2001 (1)
die satirische Filmkritik
  Escape to Paradise, Moulin Rouge, Le Placard, Utopia Blues, Bridget Jones's Diary, Planet of the Apes, 101 Reykjavik, Thomas est amoureux, Final Fantasy, die innere Sicherheit, Amelie de Montmartre, Everybody Famous, Shrek, Brother, Pearl Harbor

 
Eröffnen Sie ein Bankkonto,
mein Herr!

ESCAPE TO PARADISE

Nino Jacussos Film zeigt einen möglichen Weg zum Aufenthaltsrecht in der Schweiz: eine Biographie mit politischen Flugblättern, Verhaftung und Folter. Repräsentative Untersuchungen, die auf einer methodischen Auswertung der letzten 20 Jahre Asylpraxis beruhen, empfehlen allerdings eine weit zuverlässigere Methode: wer sich länger in der Schweiz aufhalten will, soll Inhaber mehrerer Schweizer Bankkonten werden. Natürlich stellt sich die Frage, wie z.B. ein Kurde in Kurdistan zu Schweizer Bankkonten kommt. Nun, das neue Instrument des sogenannten "Time Lending" stösst hier doch Tore auf. Bekanntlich erhält jedes Schweizer Neugeborene automatisch Konten von Schweizer Grossbanken und Versicherungen geschenkt. Bis zum 6. Lebensjahr aber ist es den Neugeborenen untersagt, Bankgeschäfte zu tätigen. Hier springt nun das Instrument des "Time Lending" ein, das diese Konten für die entsprechende Dauer einem Drittinhaber zu günstigen Bedingungen zur Verfügung stellt. Wie aber erfährt ein Afrikaner in Zentralafrika von solchen Konten? Nun, es gibt heute verschiedene seriöse Finanz-Partner, die solche Konten per Internet anbieten. Wie aber gelangt ein Tamile in Sri Lanka ans Internet? Dieses Problem wird die Weltbank in Kürze lösen. Im weiteren haben bereits mehrere seriöse Finanz-Partner Satelliten in der Umlaufbahn, welche potentielle Kunden überall auf der Welt zu erkennen vermögen. Ein potentieller Kunde muss sich lediglich an einen gut einsehbaren Ort irgendwo auf der Kugel stellen und das entsprechende Handzeichen für das gewünschte Finanzgeschäft mehrfach deutlich wiederholen. Die entsprechenden Handzeichen können gratis von Internet heruntergeladen werden. Ist der Kurde oder Afrikaner nun also glücklicher Kontoinhaber, begibt er sich im Anzug und mit Aktenkoffer, der die zu den Konten gehörigen Kreditkarten enthält, in die Schweiz. Als Aufenthaltsgrund nennt er "Finanzgeschäfte". Natürlich kann der Mensch nicht ohne Kenntnis der Business-Sprache in der Schweiz einfahren. Zumindest die Begriffe "Attack Investment", "Group Profit" und "Cash Rush" soll er sich gut merken. Im Fall aber, dass er trotzdem Probleme mit einer Behörde bekommen sollte, genügt es, immer den folgenden Satz zu wiederholen: "Welch eine Frechheit - nun muss die Muttergesellschaft die Investition in mehrstelliger Millionenhöhe auf einem andern Finanzplatz tätigen!" ("mehrstellige Millionenhöhe" gut einprägen) Innert Kürze wird ein Regierungsrat samt Gattin erscheinen und den Kontoinhaber in ein Nobelrestaurant komplimentieren, wobei letzterer während des ganzen Essens nichts zu sagen, sondern nur ab und zu nachsichtig mit dem Kopf zu nicken braucht.


 
Blieb in ner Hure stecken

MOULIN ROUGE

Lesen macht bekanntlich dumm. Regisseur Luz Luhrmann liefert darum ein Lehrstück für die Jugend ab, welches dieser den Merksatz "Lest weniger und schaut mehr fern!" einprägen soll. Zu Beginn des Films liest ein Jungautor aus seinem ersten Roman. Die ersten fünf Sätze genügen vollkommen. Da hätte Luhrmann gar nicht mehr zu zeigen brauchen, dass der Autor seine Zeit ohne die geringste geistige Tätigkeit im Puff zubringt. Die Anschauung dieser Vita erlaubt es immerhin, dass ein altes Diktum aus Brechts "Ballade von der sexuellen Hörigkeit" ergänzt wird: "ein grosser Geist blieb in ´ner Hure stecken", heisst es da - kleinen Geistern geht's nicht besser! Wie der Film dann zur Zusammenfassung der letzten 20 Jahre Eurovision de la Chanson übergeht, atmet das Publikum auf. Da weiss man wieder mal, was man an seinem TV hat!


 
Der einzige Interessent

LE PLACARD

Ältere Männer, die beweisen wollen, wie modern und aufgeschlossen, wie jung geblieben sie sind, sind ja wahrlich keine Seltenheit. Normalerweise besuchen sie Computerkurse und brillieren dann bei jeder Gelegenheit mit ihren Kenntnissen. Francois Pignon aber entscheidet sich für eine andere Methode: er beschliesst schwul zu werden. Kurzentschlossen outet er sich als Homo. Sein Umfeld, das natürlich ebenfalls tolerant, weltoffen und lässig ist, reagiert spontan positiv und ermutigend. Wohlwollend wird eingeräumt, dass Monsieur Pignon einen schwulen Blick, einen schwulen Gang, schwule Umgangsformen besitze. Monsieur Pignon selber muss allerdings erleben, wie schwierig es ist, modern zu sein. Der einzige Mann, der sich für ihn interessiert, ist ein übergewichtiger, grobschlächtiger Rugby-Trainer, mit dem zutraulich zu werden Pignon einfach nicht fertig bringt. Im Gegenteil findet er sich innert Kürze auf seiner Chefin liegend wieder. Noch während des gewöhnlichen Koitus altert Pignon um Jahre und muss einsehen, dass er ein hoffnungsloser Dinosaurier ist.


 
Die Reggae-Band on tour

UTOPIA BLUES

Die Entstehungsgeschichte der ersten Zürcher Reggae-Band. Ragga Rafi ist einer der ganz wenigen in Zürich geborenen 'White Rastfari'. In seinem Kopf zieht ein Reggae-Hit nach dem andern vorbei, vor seinem innern Auge zittern die Lenden seiner Landsleute in hot vibes. Wen wundert's, dass da ein wüster Konflikt mit der Realität ansteht (die man z.B. morgen oder übermorgen mittag an der Bahnhofstrasse antrifft). Niemand versteht Ragga Rafis Musik. Das Umfeld will, dass er eine Lehre bei Orange macht und Natel-Verkäufer wird. Sogar der willenlose Dani, das einzige Bandmitglied, beschäftigt sich nurmehr mit seinen vorzeitigen Samenergüssen. Es ist die grosse Krise. Am Schluss schafft es Ragga Rafi aber doch, eine coole Reggae-Band zu gründen, und sein Grossvater, welcher anno dazumal den ersten Bob Marley-Fanclub der Schweiz gegründet hat, kann in Frieden sterben.


 
Scheitert an der
Problemanalyse

BRIDGET JONES'S DIARY

Endlich wieder einmal ein wirklich lehrreicher Film! Bridget Jones sucht den Grund ihrer Probleme bei ihren ¸bersch¸ssigen Pfunden, bei ihrer Mutter, ihrer mangelnden Intelligenz, dem fehlenden Charme usw. Alle ihre Anstrengungen scheitern. Dieses zeigt doch treffend die unbedingte Notwendigkeit einer umfassenden, professionellen Extense-Problem-Analyse. Ein aussenstehender Experte w¸rde mit diesem Verfahren Bridgets wahres Problem sofort eruieren: ihre Freunde. Diese drei Trinen ersticken jeden Anflug von Geist sofort in seinem Keim. Sie f¸hren kein eigenes Leben, sondern n”hren sich - wie die Vampire vom Blut - von Bridgets Misserfolgs-Geschichten beim andern Geschlecht. Die Trinen abzuservieren ist der grundlegende Basisschritt f¸r jede erfolgsversprechende Zukunftsaktion. Mit eleganter Beil”ufigkeit wird ¸brigens auch noch das Spr¸chlein der V”ter auf den neuesten Stand gebracht: "Wer nichts wird, wird Wirt. Ist dies auch nicht gelungen, geht er zu den Versicherungen". "...landet er/sie in den TV-Sendungen", muss es inzwischen heissen.


 
Der mit dem
Krampf kämpft

PLANET OF THE APES

Es ist ein blaues Wunder ...wenn das ausserirdische Leben US-amerikanisch spricht ...wenn ein Pilot der Air-Force auf einer M¸lltonne durch die Galaxien fliegt ...wenn die ausserirdische Zivilisation Religion, Kunst, Gesellschaftsordnung und Staatssystem kennt (Senat besteht aus einer einzelnen Person), und gleichzeitig einen zur¸ckgebliebenen Schimpansen mit ihrem reinkarnierten Gott verwechselt ...wenn eine Zivilisation sich einen ganzen Planeten untertan gemacht hat, aber nur aus einer einzigen Stadt besteht, die genau besehen auch nur eine Art Heerlager ist ...wenn in einem volldoofen Hollywood-Streifen die tragische Geschichte eines kleinen unschuldigen M”dchens mit russverschmiertem Gesichtchen kommentarlos fallengelassen und auf literweise Tr”nen verzichtet wird ...wenn eine Primitive, die in den W”ldern lebt, wie alle andern nicht mal einen Namen hat und kaum sprechen kann, einen Luxusk–rper zur Schau stellt, der im extra-kurzen Designer-Lumpen steckt ...wenn jemand, ob Affe oder Mensch, und so b–se er auch sei, immer, wirklich immer einen Krampf im Gesicht hat ...wenn ein Volk in einem Mann seinen Erl–ser erkennt, der ein ausgesprochener Eselskopf ist, blind durch die Gegend rennt, sich einen Dreck f¸r dieses Volk interessiert und offensichtlich nur das eine Ziel hat: p¸nktlich zum Abendessen zu Hause zu sein ...wenn es jemand schafft, all diesen Unsinn in ein- und demselben Drehbuch zusammenzupappen.


 
Die Globalisierten

101 REYKJAVIK

Hlynur will nur seine Ruhe und seinen eigenen Seelenfrieden haben. Auf der anderen Seite gibt es die Globalisierung und die sexuelle Revolution. Auf Hlynurs Insel am Rand der Weltkarte brechen beide ein wie die Hunnenhorden. Wo es kalt ist, dunkel und trostlos, muss nun unbedingt eine internationale Spassgesellschaft her. Hierzu taucht eine spanische Flamenco-Trompete auf, eine Stimmungskanone wie Goofy in Disneyland, und alle sollen Flamenco tanzen und s¸dliche Leidenschaft verspr¸hen. Mit Hlynurs Beschaulichkeit ist es endg¸ltig vorbei, nachdem auf seiner Insel ebenfalls ein fortgeschrittenes Problem der sexuellen Befreiung eingef¸hrt wird. Die schwulen Vatis und die schwulen Ehem”nner, die nur aus Konformit”tsgr¸nden geheiratet haben, sind ja schon abgehakt. So muss nun als Neuerung Hlynurs Mutter lesbisch sein und ihm die Freundin streitig machen. Eine Hoffnung l”sst der Film allerdings ¸brig: Hlynur besitzt einen Computer, und wenn er sich geh–rig anstrengen w¸rde, k–nnte er sich vielleicht in die Welt von Thomas Thomas hin¸berretten (siehe "Thomas est amoureux").


 
Die Versuchung aus
der Dummwelt

THOMAS EST AMOUREUX

In einer nicht fernen Zukunftswelt ist Thomas Thomas der letzte vern¸nftige Mensch auf Erden. Das hat seinen Preis: naturgem”ss duldet die tumbe Masse keinen Vern¸nftigen in ihrer N”he, und um seinen Kopf zu retten, muss Thomas sich in seine Wohnung einschliessen. Mit der Aussenwelt, bestehend aus lauter Institutionen und ihren funktionalisierten Spezialisten-Idioten, bleibt er nurmehr durch einige Kabel verbunden. Als findiger Typ weiss Thomas aber selbst aus diesen Kabeln etwas Besseres zu machen: er konstruiert sich eine virtuelle Welt mitsamt einer netten Freundin, die Freude am Sex hat. Dar¸ber muss sich die Dummwelt wieder ”rgern. Sie lanciert eine perfide Attacke, indem ihr sogenannter Psychologe Thomas einredet, wahre Liebe sei das h–chste Gut, und es gebe sie nur zwischen zwei echten Menschen. Wie zuf”llig taucht auf Thomas' Netz eine Menschenfrau Eva auf. Der verunsicherte Thomas glaubt, sich zu verlieben. Klar fordert Eva dann den Liebesbeweis. Thomas soll seine Wohnung verlassen und sich nach acht Jahren wieder in die Dummwelt begeben, tut es - und der Rest wird uns geschenkt.


 
Die Heldin im
Magen-Darm-Trakt

FINAL FANTASY

Hironobu Sakaguchi ist ein Mann, der ¸ber eine staunenswerte Verdauung verf¸gt, was der Filmwelt zu demonstrieren er hier Gelegenheit erh”lt. Die Berichte aus den Heftchen, welche Hironobu in seiner Pubert”t gelesen hat, setzt er 30 Jahre sp”ter in seinem Film "Final Fantasy" als kleine artige geruchsarme H”ufchen ab. So dreht sich die Handlung zuerst darum, dass es das R”tsel des K–rpers und der Seele gibt, dann um die mythologische Weltseele Gaia, fortan um die sagenhaften M–glichkeiten der zuk¸nftigen Technologie, nachher und zwischendurch um die heilende Kraft der Liebe, immer wieder um den heroischen Pathos der letzten Worte, sodann um b–se Menschen und ihre Gier nach Macht, im folgenden um das ausserirdische Leben, schliesslich um Geister und Phantome, die ¸ber die Erde irren. Zudem pr”sentiert der Meister zwei selbst gewonnene Ueberzeugungen: 1. Gaia ist eine Br¸he, etwa wie Pepsi Cola, nur in einem Erdloch und blau (was wiederum ein wenig an die Verdauung H.'s erinnert). 2. Ausserirdische existieren (sehen aus wie Gedärme mit Zähnen), sie sind aber noch ungeschickter als die Menschen. Sie m¸ssen sich auf den traurigen Rest-Planeten Erde post Zivilisationskatastrophis retten, weil sie ihren eigenen Planeten g”nzlich zerst–rt haben (Motto: kann jedem mal passieren) - und auch auf der Erde ist ihr Einfluss alles andere als hilfreich.


 
Die terroristische
Kleinfamilie am Strand

DIE INNERE SICHERHEIT

Die Keimzelle der Gesellschaft ist bekanntlich vom Aussterben bedroht. Ja einzelne Arten sind bereits verschwunden. So die terroristische Kleinfamilie. Christian Petzold zeigt die letzten, spektakul”ren Aufnahmen dieser Art in ihrer nat¸rlichen Umgebung. Terroristen sind Subjekte, die keiner geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen und damit Staat, Gesellschaft, Freiheit, Moral, Wohlfahrt, Frieden, Gerechtigkeit und soziale Solidarität unterminieren. Und tats”chlich - f¸r den ehrlichen B¸rger befremdend anzusehen - macht die terroristische Kleinfamilie nichts anderes, als in ihrer Hippie-Karre durch die Weltgeschichte gondeln. An Arbeit denken die nicht mal! Dabei w”re Vati ein prima Fussballtrainer, der auch mal ein deutliches Wort zu sprechen versteht. Und Mama zeigt alle Anlagen zur Erzieherin: steht prompt da und verlangt Erkl”rungen, als das Kind entjungfert wird, schickt das Kind hinaus, wenn die Erwachsenen diskutieren. Sie g”be aber durchaus auch die Redakteurin einer Frauenzeitschrift ab. Wie gesagt: nichts dergleichen. Nur ficken, Auto fahren und D”umchen drehen. F¸r ein Kind aber ist dieses terroristische Dasein eine Zumutung. Ein Kind will doch einfach nur normal sein wie die andern - d.h eine eigene Bude, neue Klamotten kaufen, CD kaufen, Ferien kaufen, Fun kaufen, Hobbies kaufen, normale Eltern mit Job und Geld, was eben jedes Kind will und braucht, um gl¸cklich werden zu k–nnen. Soviel steht mal fest. Ausgestorben ist die terroristische Kleinfamilie aber infolge ihres unglaublichen Pechs in Geldangelegenheiten. "Tageshoroskop lesen!" m–chte man ihnen zurufen - doch zu sp”t.


 
Ein weiter Weg!

AMELIE DE MONTMARTRE

Es ist nicht leicht, ein Herz zu erobern, zum Beispiel nicht leicht das Herz einer, hm, Frau. Welche Anspr¸che und W¸nsche m¸ssen da erf¸llt sein, welche Zugest”ndnisse, Versprechen, Schw¸re gegeben, welche L¸gen aufgetischt, bis dies Herz sagt "nun gut, ich bin's zufrieden!", bis dies Herz findet "ich bin gl¸cklich und erobert"! "Ach welche Anspr¸che, Versprechen, L¸gen", f”llt der Chor der M”nner ein, "weh uns, weh!" "Br¸der! Beklagt euch nicht, denn ihr seid keine Franzosen!", meldet sich an dieser Stelle Regisseur Jean-Pierre Jeunet zu Wort, und zeigt, welcher beschwerliche Weg als einziger zum Herzen eines durchschnittlichen Pariser M”dchens f¸hrt, zum Herzen einer, sagen wir - Amélie Poulain! Deren Zuk¸nftiger muss erst einmal obsessive Hobbies pflegen (kann sein Fussabdr¸cke in frisch gegossenen Beton setzen oder missratene Passfotos sammeln), ohne a. wahnsinnig, b. depressiv oder c. asozial zu werden. Beruflich soll er sich zuerst auf der Geisterbahn als Tr–ster ver”ngstigter Damen bew”hren, bevor er im Pornoladen Einsitz nimmt, ohne mit der Wimper zu zucken. Insbesondere betrachtet er unger¸hrt die pr”chtigen Br¸ste der Stripperinnen, die am gleichen Ort arbeiten. Bei einem Augenaufschlag Amélies aber muss sofort das Feuer der Begierde in ihn fahren. Sind diese ersten Pr¸fungen bestanden, hat er jahrelang Amélies telephonische Anweisungen zu befolgen, wonach er sich zu dieser und jener Zeit am Ort XY einfinden muss. XY ist dabei eine beliebige Telephonkabine, in welcher der Kandidat neue Instruktionen erh”lt. Steht der Mann am Ende aber tats”chlich vor der T¸r einer Amélie, so muss er sich damit begn¸gen, Zettelchen darunter durchzuschieben. "So l”uft das bei uns in Frankreich", seufzt Jeunet, "seid froh, M”nner des Rests der Welt zu sein!"


 
Hüte dich vor dem
Management, mein Mädchen

EVERYBODY FAMOUS

Wie m”chtig ist das Management im Showbiz wirklich? "Gottgleich!" vermeldet der belgische Regisseur Deruddere. Schon die Sex Pistols waren ein Produkt des Managers, Sid Vicious wurde von ihm in den Tod getrieben, das ist bewiesen und gibt Bücher drüber. Wie aber erst heutzutage im volkst¸mlichen Schlager! Everybody Famous singt ein Lied davon. Dass die Manager alle bumsen, die vor eine Fernsehkamera treten d¸rfen (Hans Mockl soll es ja mit s”mtlichen Oberkrainer Sch¸rzenj”gern getrieben haben), ist diesem Film nurmehr eine Randnotiz wert. Schonungslos wird gezeigt, dass heute nichts und niemand mehr davor sicher ist, von den Managern zu einem Nummer-Eins-Hit gemacht zu werden. Eine belanglose Melodie etwa, mit kaum einem klaren Ton und ohne Taktgef¸hl harmlos auf ein Tonband gelallt, wird umgehend zum Hitparaden-Kn¸ller gemacht. Und mit welcher Gerissenheit, ja Genialit”t der moderne Manager heute neue Stars hervorzaubert, kann man sich kaum vorstellen. So ist ein moderner Manager von heute in der Lage, eine virtuose Kombination von Entf¸hrung, Erpressung, Reality-TV und Musikshow zu inszenieren, die das ganze Land in Atem h”lt. Als H–hepunkt erscheint schliesslich der neue Star wie die Venus in der Muschelschale.


 
Sind alle so nett hier

SHREK

Ein grosses Projekt n”hert sich seinem gl¸cklichen Abschluss: boulevardisierte Banalisierung und Einebnung der Welt auch f¸r die Kleinen, realisiert von Disney und Dreamwork Studios. In der vorigen Etappe konnte nach jahrelangem Bem¸hen das alte Testament banalisiert werden. Es zeigte sich, dass Moses ein j”mmerlicher Schlappschwanz mit Zahnweh war, und Gott sein pers–nlicher Firlefanz, dazu die Pharaonen aufgeblasene Wichtigtuer. In "Shrek" nun sind die s”mtlichen M”rchenfiguren und Fabelwesen dran (rationelles Verfahren). Wenn die M”rchen fr¸her mit dem Wachk¸ssen und dem obligaten "und wenn sie nicht gestorben sind", endeten, so setzt der Film genau an diesem Punkt ein. Er besch”ftigt sich mit dem Tag danach, zeigt die Wachk¸ssenden im Alltag. Die Kinder erleben den Prinzen mit schlechter Laune und Mundgeruch, die Prinzessin mit Menstruationsschmerzen. Die ehemals phantastischen Wesen sprechen ¸ber ihre Schweissf¸sse und die Zubereitung von Gurkensalat. Eigentlich sind die ja alle so normal wie Mami und Papi! Und eigentlich furchtbar nett und innerlich niedlich die ganze Bande - auch die B–sen, klaro, die machen doch nur widerwillig ihren Job. Somit w”re das mit der Phantasiewelt erledigt. Die Kinderseele soll ja quadratisch werden, damit sie platzsparend in die neuen Opel-Familienautos passt. Fehlt nur noch die letzte Etappe des Projekts: Banalisierung der Sagenwelt. Geplant ist ein Film, der zeigt, dass Odysseus auf hoher See immer Durchfall bekam und nur dank eines kuscheligen, quasseligen Schafs damit umzugehen lernte. Alle Kreaturen aber, die ihm den Kopf abreissen wollen, machen nur einen grossen Spass und warten dann auf Ithaka mit einer super Willkommens-Torte des ganzen Teams.


 
Das Bäuerchen schiesst
Löcher in die Luft

BROTHER

Ein Engl”nder in New York soll ein Alien sein? Zum Lachen. Dieser Film erz”hlt die wahre Geschichte des japanischen Bauers Aniki Kikimo, der zum ersten Mal in seinem Leben in die Stadt, nach Tokio fuhr. Aniki wollte nur ein Paar moderne Unterhosen kaufen, stieg dann aber anstatt in die U-Bahn ins Flugzeug nach N.Y. Dort versucht sich das einf”ltige B”uerchen zurechtzufinden: es will den Amerikanern die kleinen Finger abhacken, wie dies in seinem Dorf zum Zeichen der Freundschaft ¸blich ist, was die Einheimischen aber ablehnen. So versucht es sich mit Furzen und R¸lpsen beliebt zu machen - erfolglos. Erst als es mit einer Pistole W–rter in die Luft schiesst, signalisieren die Amerikaner Interesse. In der Folge zeigt der Film die eint–nigen, m¸hsamen Jahre der Assimilation. Aniki lernt f¸nf W–rter Englisch - alle f¸nf Jahre eines - und perfektioniert daneben die Kunst, "Amigo" in die Luft zu schiessen. Bei seinem t”glichen halbst¸ndigen Training m¸ssen wir - ungeschnitten - dabei sein. Wer dies ¸berdauert, sieht Aniki gegen Ende ¸ber einen Basketball stolpern und sich den grossen Zeh brechen, schliesslich aber wird er zum Pr”sidenten des 17. internationalen Pistolensch¸tzen-Treffens gew”hlt.


 
Sonnenuntergang
am Schulball

PEARL HARBOR

Pearl Harbor war ein berühmter Schulball in Bayern, Kentucky. Die Mädchen verkleideten sich als Krankenschwestern, die Buben als Piloten. Am berühmtesten aber waren die aufwendig gemalten Kulissen mit bezaubernden Sonnenuntergängen. Dies führte zu vielen Schwüren seitens der Jugendlichen, auch weil die Mädchen sich auf besagtem Ball begrabschen liessen. Etwa 1930 griffen die Bomber der Hopi-Indianer an, und die traditionelle Ball-Aula wurde in Grund und Boden gestampft. Präsident Roose fehlte aber ein Bein. Daher musste er die Atombombe erfinden, die heute noch eine reale Bedrohung ist. Das führte zu Explosionen und heilloser Verwirrung der örtlichen Massen. Die Hopi zogen sich dann auf eine Insel zurück, wo sie ausstarben. Ghandi hingegen war gegen Ausländer. Sein Motto lautete: 'nicht die Bohne!'

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