| 2003 2002
2001:2 /1 2000 1999 1998 Heim Kurzg. Fotog. |
ZEITRAFFER
2003 die satirische Filmkritik |
| The Lord of the Rings: Return of the King; Les invasions barbares; Kops; Das Wunder von Bern, Pirates of the Caribbean, Terminator 3, Far from Heaven; Adaption; Ragu; Goodbye Lenin; About Schmidt; Atanarjuat; Reign of Fire |
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THE LORD OF THE RINGS: Return of the KingGrosse Haufen von Stein sind in diesem Film zu sehen, oh ja! Es lebe der Stein, es lebe der Berg! Die Welt der Gipfel, oh ja! Verglichen mit Frodo Knilch&Co. ist Reinhold Messner der reine Anfänger. Zwanzigmal streckt sich eine zitternde Hand nach der obersten Felskante, rutscht ein Fuss auf tückischem Geröll weg. Entbehrungen, oh ja!. Frodo und Sam Knilchlin schleppen sich von der ersten bis zur letzten Minute entkräftet durch die steinige Szenerie - man wünscht ihnen ein Red Bull. Expeditionen in sämtliche existierenden Steinwüsten brechen auf. Kein Film für Leute, die Badeferien mögen. Gandolf schraubt sich stundenlang in einer turmähnlichen Kleinstadt ganz aus Stein nach oben (nebenbei beweist er seinen ausgeprägten Sinn für Schwarz-Weiss-Kombinationen), Berg-Tunnels werden noch und nöcher durchschritten. Ganz nebenbei werden Höhenfeuer auf windumtosten, schneebedeckten, einsamen Gipfeln weit weit über der Waldgrenze entzündet. Eine Kunst für sich! Doch die Expedition in die Vulkanberge scheitert nach langen Wochen der Ungewissheit: Sie findet sich am Ende ihrer Kräfte inmitten von glühender Lava wieder und muss mittels Rettungsflug evakuiert werden. Die Knilche sind halt doch keine richtigen Bergsteiger! Besser sollten sie es mit Rodeln oder mit Go-Cart-Rennen versuchen. |
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LES INVASIONS BARBARESWer Geld hat, lebt besser, wer Geld hat, stirbt besser! Um diese komplizierte Philosophie verständlich zu machen, präsentiert Regisseur Denys Arcand seinen Protagonisten Remy, der todkrank im Spital liegt, was ihm nicht besonders lustig scheint. Vielmehr ist Remy - Professor, Alt-68er und ewiger mentaler Säugling - im Wortsinn todeinsam, ja schlimmer noch: im vollgestopften Spital umgeben von Kaffern und doofen Krankenschwestern. Da tritt sein Sohn Sebastien auf den Plan, der zwar beschränkt, aber nett und vor allem stinkreich ist. Wo Sebastien auftaucht, kursiert bald Bargeld in Fülle und alle sind topmotiviert. Er kauft Spitzenmedizin und Spitzen-Betäubungsmittel für Papa und macht dessen Sterben innert Kürze zu einer gediegenen Party. Wie im TV-Spot für Krankenversicherungen findet sich Remy bald auf der Veranda eines Ferienhauses am See wieder, wie seine ihn umgebenden alten Freunde in eine kuschelige Decke eingewickelt, Trüffel aus der Toskana schlemmend, die selbstverständlich vom Schwulen-Paar exquisit zubereitet wurden. So darf Remy friedlich entschlafen, umsäuselt vom unablässigen hohlen Geschwätz seiner Lieben. Ein Schock bleibt ihm allerdings nicht erspart. In der Minute seines Todes muss er erkennen, was er in seinem Leben verpasst hat: die Idioten um ihn herum einen nach dem anderen zu erwürgen. |
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KOPSZeigt den langen Weg der Pizza nach Schweden. Bis vor wenigen Jahren weigerten sich die Schweden beharrlich, etwas anderes zu essen als das traditionelle Smorebrod und Würstchen. Im Zuge der angestrebten kulturellen Oeffnung gegenüber der EU sah sich die sozialdemokratische Regierung daher gezwungen, im Jahr 1998 die sogenannte Pizza-Offensive zu lancieren. Unter staatlicher Aufsicht wurden Würstchenbuden gesprengt und Pizzas unter Polizeischutz ausgeliefert. Seither ist die Lebensfreude und Ausgelassenheit nachweislich gestiegen und die schwedische Mentalität viel südlicher geworden. Regisseur Josef Fares beeindruckt mit faktenreicher Dokumentation und mit dem Tiefsinn seiner gesellschaftlichen Analyse. |
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DAS WUNDER VON BERNMit dem vorliegenden Film vollbringt Regisseur Sönke Wortmann das im Titel versprochene Wunder: vor unseren Augen verwandelt er Kohle in Tränen. Später werden die Tränen dann wiederum zu Kohle, was wir aber nicht sehen. A und O dieser Disziplin ist es selbstverständlich, Tränen in genügender Menge zu erzeugen. Dazu präsentiert der Film kräftig heulendes Personal! Heulender Sohnemann, heulender Vati, heulende Mutti, ein heulendes, gebeuteltes Volk, zu dem sich ein Sport-Stadion und ein Kinosaal voll herzhaft heulender Zuseher gesellen. Es prasseln die Tränen nieder wie Platzregen, eine grosse, grosse Pfütze entsteht - und das Wunder passiert! In Bern öffnet sich plötzlich das legendäre Tal der Tränen, in welches Zinedine Zidane, der Spielführer der deutschen Fussballgruppe, eintritt und in der 90. Spielminute das ewige Siegtor für das Heimatland erzielt. Erstaunlich. |
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PIRATES OF THE CARIBBEANDer erste abendfüllende Film der Filmgeschichte, der zu hundert Prozent rezykliert wurde. Ein Triumph des Umweltschutzes über die renitente Unterhaltungsindustrie! Die Arbeit des Regisseurs Gore Verbinski beschränkte sich darauf, verwendbare Filmschnipsel oder ganze Filmsequenzen aufzufinden und aufzukaufen und sie sodann zu seinem Cutter zu tragen. Die Protagonisten wurden aus den Schnipseln ausgeschnitten und neu zusammengeklebt. Für Pirat Jack Sparrow etwa wurden überzählige Szenen von Geoffrey Grines verwendet, dem zappeligen Tierschützer aus "12 Monkeys". Der Cutter hat der Figur dann ein neues Hemd aufgeklebt und eine Portrait-Foto von Johnny Depp anstelle des Originalkopfes montiert. Desgleichen stammt der nichtsahnende Dösel, der seine wahre Helden-Identität entdeckt - hier Schmid Will genannt - aus "The Matrix" (Neo). Die Figur der Tochter aus gutem Hause schliesslich, die nicht standesgemäss heiraten will, sondern ihrem Herzen folgt, konnte aus "Herzen finden sich blind" nach Rosamunde Pilcher ausgeschnitten werden. Auch ganze Szenen fanden Verwendung: die paar wenigen Aufnahmen auf See stammen aus dem Fundus von "Meuterei auf der Bounty". Die Szenen in der Spelunke / in Tortuga wurden für "Lord of the Rings" gedreht. Das Geisterschiff ist Material des Films "das Geisterschiff". Alle Fechtszenen sind Abfallprodukte zu "die drei Musketiere". Bei allen Schatzhöhlen-Szenen handelt es sich um ungebrauchtes Material zu "Indiana Jones". Und die Computeranimationen sind Testläufe aus den "Terminator" -Folgen. Auf diese Weise konnte hier der erste Film realisiert wurde, der ohne einen einzigen Drehtag und ohne eine einzige originale Szene und Idee auskommt. |
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TERMINATOR 3Der sensationelle Befund dieses Films platzt in unsere Computer-Welt wie eine Bombe: es gibt in der Welt der Maschinen Männchen und Weibchen! Und ganz klar wird auch: die Männchen sind die besseren Maschinen. Die männliche Maschine ist informationsbezogen, sachlich und eine echte Hilfe. Ihr Sprachprogramm ist zwar nicht ausgereift, kann aber immerhin einen komplexen Zusammenhang darlegen. Die weibliche Maschine ist in Sachen Sprache nicht einmal fähig eine Pizza zu bestellen, und besteht ausserdem aus lauter Schnick-Schnack-Zubehör, das im Endeffekt nichts bringt. Aus Maschinen-Eitelkeit nutzt sie ihre Möglichkeiten, beliebige Formen anzunehmen, so gut wie gar nicht, sondern stöckelt immerzu als Super-Modell im roten Kostüm herum. Maschinen-Weibchen sind zudem diebisch (klauen Pistolen von Polizisten, obwohl sie selber nichts anderes als eine Superwaffe sind). Während die Männchen stoisch und emotionslos bleiben, reagieren Weibchen bei vorläufigen Siegen mit einem triumphalen Lächeln, bei mittleren Niederlagen trotzig: „Dir zeig’ ich’s noch!“, bei endgültigen Niederlagen geraten sie ausser sich und brüllen wie Tiere. Maschinen beiderlei Geschlechts zeigen eine ausgeprägte Neigung, andere Maschinen zu besteigen (vor allem, wenn sie Räder oder Flügel haben), was wohl eine Art Maschinen-Sex darstellt. Das Weibchen bevorzugt dabei die grössten Modelle. Natürlich willst du nun vor allem eines wissen: ist mein PC ein Männchen oder ein Weibchen! Mit Kenntnis der beschriebenen Maschinen-Psychologie lässt sich das leicht feststellen. Starte das Suchprogramm und gib einen Suchbegriff ein. Liefert dein PC anstandslos gültige Resultate, ist es ein Männchen. Reagiert er aber gar nicht und klaut somit den Suchbegriff, oder schlägt er einen besseren oder einen schöneren Suchbegriff vor, oder liefert er bei deinem Insistieren auf dem ersten Begriff beleidigt übertrieben viele, zweifelhafte Resultate, ist es ein Weibchen. Wenn alle diese Reaktionen zutreffen, ist dein PC ein Maschinen-Superweib, das bald deinen Staubsauger besteigen wird. |
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FAR FROM HEAVENAlles wird immer schlimmer! So einfach ist das in Wahrheit, erklärt uns Regisseur Todd Haynes mit seinem Film. Zur Verdeutlichung ruft er uns die Anfänge der 50er Jahre in Erinnerung. Bezüglich Haushalt hatte man damals lediglich ein paar Sorgen mit dem schwarzen Garten- und Hauspersonal, während wir uns heute mit der anspruchsvollen Elektronik von tausend Geräten herumplagen. Oder das Telefon: mit seiner Verbreitung wurde die vormals harmlose weibliche Klatschsucht bereits in den Fifties zu einer Splitterbombe. Heute aber stehen wir fassungslos vor den Plapper-Automaten, zu denen das ununterbrochene kabellose Geschwätz die einst beseelten Hausfrauen und Mütter gemacht hat. Und wie unschuldig ist die Sexualnot der Menschen gewesen! Das ganze Problem der Gesellschaft bestand im Coming-Out von ein paar Schwulen, während heute heulende Horden auf der Suche nach ihrer sexuellen Verwirklichung durch die Strassen hecheln, Perversionen von Internet herunterladen, und Kontinente überfliegen um Kinder zu ficken. Haynes macht aber auch ein paar Konstanten aus. Einige Dinge bleiben immer gleich schlimm: die Weihnachtsgeilheit der Kinder, die Geschmacklosigkeiten der Mode, und die herzzerreissenden Abschiede am Bahnhof. |
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ADAPTIONIn Europa ist die Vertrottelung des US-Films nicht mehr als ein aufdringliches Ärgernis. Überschüttet die vertrottelte Filmindustrie unter Pauken und Trompeten ihre dümmsten Streifen und ihre langweiligsten Stars mit den angeblich begehrtesten Filmpreisen, wenden wir uns achselzuckend der wirklichen Welt zu. Wie traumatisch die Situation aber für die seriöse US-Filmszene ist, ist hier kaum jemandem bewusst. Die US-Drehbuchautoren etwa konstatieren eine kollektive Psychose: an die Stelle des inneren Schweinehundes ist der innere Hollywood-Autor getreten. Im vorliegenden Film wird dies durch Charlie Kaufmann veranschaulicht, der auf die Idee verfällt, ein Drehbuch ohne Plot, ohne Beziehungs-Kitsch und ohne Action-Schub zu schreiben. Sofort beginnt der innere Hollywood-Kerl, der in Kaufmanns fortgeschrittenem Fall bereits eine Materialisierung erfahren hat, zu höhnen: welch ein ausgekochter Unsinn! Die typische Idee eines Losers! Niemand versteht das! Du wirst nie Geld haben! Du wirst nie mit schönen Frauen schlafen! etc. Nachdem er den Autor zur Schnecke gemacht hat, geht der Quälgeist zu „kreativen“ Einflüsterungen über, die Kaufmann alle ursprünglich guten Ideen versauen. Bemitleidenswerter US-Film! Wir erfahren, dass dieser Prozess schon einsetzt, wenn einer einen Dokumentarfilm über Blumen drehen will, und der Film beginnt dann mit einer Auto-Verfolgungsjagd der beteiligten Biologen. Der Verband der US-Drehbuchautoren propagiert daher ein verzweifeltes Mittel, das aus der Psychotherapie übernommen wurde. Der innere Hollywood-Autor soll in eine wilde, gefährliche Action-Szene verwickelt werden, in welcher man ihn schliesslich krepieren lassen kann. Dies schafft für einige Tage Erleichterung, wird versichert. |
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RAGU - MAMA'S BOYDer bellende Präsident Bush hat der Welt wieder einmal vor Augen geführt, welch eine fundamentalistische Nation von Kuhhirten und Hinterwäldlern die USA in Wahrheit sind. Welche wunderlichen Unter-Fundamentalisten das Fundi-Land bevölkern, wissen aber nur die allerwenigsten. Der Film nun stellt dem staunenden europäischen Publikum die Anhänger der wahren Tomatensauce vor - beziehungsweise einen Repräsentanten namens Paulie. Paulie begreift sich selber nicht als Fundi, sondern als einen der letzten Männer mit Prinzipien. Erstens isst er aus Prinzip nur Muttis original Tomatensauce. Zweitens lebt er prinzipiell zuhause bei Mutti, die halt einfach am besten kocht, putzt und wäscht. Drittens will er nun, mit 34 Jahren, endlich eine Frau heiraten wie Mutti. Er findet Viktoria - eine totale neumodische Niete, die von der wahren Tomatensauce noch nie gehört hat. Was aber tut Paulie? Er verleugnet seine Ueberzeugungen, wirft seine Prinzipien über Bord und heiratet sie - weil Viktoria geübt im Bett ist. Dies führt zum Grundkonflikt, den der Film aufzeigen will: viele amerikanische Fundis sind guten Willens, aber hilflos. Zum Beispiel wollen sie nicht als rückständig gelten und lassen ihre Frauen darum frei herumlaufen, womöglich in kurzen Röcken. Anstatt zu kochen und den Haushalt zu führen, reizen diese nur die Männer auf und lassen sich flachlegen. Viele bedauernswerte Unter-Fundis wie Paulie zahlen heute in den USA einen hohen Preis für diese mangelnde Zucht. |
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GOODBYE LENINEin dokumentarischer Film über Doktor Wandbrett, den berühmten Erfinder der nach ihm benannten revolutionären Heilmethode. Die Wandbrett-Methode wird in medizinischen Kreisen auch als „totale Sinnstiftung“ bezeichnet und wurde erfolgreich in Fällen von sogenannter rätselhafter Schwererkrankung angewandt. Die Patienten werden radikal aus ihrer frustrierenden Gegenwart herausgerissen und in eine ideale Umwelt versetzt. Im Film dokumentiert dies Doktor Wandbrett am Fall einer Patientin. Die giftigen, gentech- und hors sol-schwangeren, an die normale Katastrophe erinnernden Nahrungsmittel etwa werden von Wandbrett ausgetauscht. Er überzeugt die Patientin davon, dass die Essiggurken, welche er ihr zu essen gibt, die bessere Welt repräsentieren, dass der Kaffee, den sie schlürft, die Errungenschaft einer aufstrebenden, gesunden Gesellschaft sei. Er lässt sie glauben, dass kein selbstsüchtiger Politiker Präsident ihres Landes sei, sondern ein gemütlicher Onkel Heribert. Im Fernsehen sieht sie nicht, wie die Welt sich täglich den Kopf ausreisst, sondern wie ein milder Weltgeist einen Sieg nach dem andern erringt. Wandbrett präsentiert ihr anstelle konsumsüchtiger, rücksichtsloser Angehöriger eine intakte Familie, indem er selber sowie die Pflegerin die sorgenden Kinder der Patientin spielen. 90 Prozent aller Erkrankten, so Doktor Wandbrett, genesen bei Anwendung seiner Methode binnen dreier Monate, und sterben nach Entlassung aus der Anstalt in die Realität binnen zweier Tage. |
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ABOUT SCHMIDT34 Jahre hat es gedauert, bis endlich die Fortsetzung von Easy Rider in die Kinos gefunden hat. Fortsetzung? - Die Motorbike-Hippies Billy und Wyatt wurden doch totgeschossen und plattgewalzt? Richtig. Nur war da noch der besoffene Anwalt George Hanson, der zwar ebenfalls mächtig was auf die Rübe kriegte, aber - wie sich in der vorliegenden Fortsetzung herausstellt - dabei nur in ein nachhaltiges Koma fiel. Wir erfahren, dass er in diesem Zustand unter dem Namen Warren Schmidt Abteilungsleiter einer Versicherungsgesellschaft wurde und eben in Pension geht. Zu diesem Anlass kehren ein paar Lebensgeister zurück, und Warren/George packt die alte Lust am Vagabundieren. Mit dem Wohnmobil knattert er durch das moderne Amerika: Supermarket, verkitschte Geschichte, Mitgefühl als Betroffenheitsritual, und anstelle des Geburtshauses ein blitzblanker Reifenhandel. Welch ein Schock! Warren beschliesst US-Präsident zu werden und die Zustände zu ändern. Er will zuerst die Unterstützung seiner alten Mates gewinnen und besucht die Kommune. Aber auch hier wütet der Zeitgeist. Die Hippie-Mutter entpuppt sich als medikamentensüchtige Kampfhenne, ihr Sohn, ein lausiger Verkäufer von Wasserbetten, rennt mit hausgemachten Investment-Ideen dem Kapitalismus hinterher, ist aber zu blöd um Kohle zu machen. Eine riesige Enttäuschung. Ob George/Warren wieder ins Koma fällt, und ob er solchermassen doch noch Präsident wird, erfahren wir erst in der Fortsetzung der Fortsetzung. |
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ATANARJUAT - THE FAST RUNNERDer Film dokumentiert die bizzaren Auswüchse, welche die Uebernahme westlicher Werte und Lebensweisen unter ahnungs- und wehrlosen Naturvölkern verursacht. Wir werden Zeugen eines irreal anmutenden Kampfes in der Arktis: während im Westen schon Punks Reliquien sind, bilden hier jene Gruppierungen das Problem der Gesellschaft, die sich wüst aufführen, derbe Witze reissen, furzen, rülpsen und fluchen - die arktischen Rocker. Diese treffen auf einen zweiten verwestlichten Protagonisten: Atanarjuat ist der erste Gesundheitsapostel und Naturfreak des hohen Nordens. Wie alle Fundis ist er überzeugt, dass die Rocker-Krise die Folge eines falschen Lebensstils ist, und dass das Rocker-Phänomen verschwinden wird, wenn nur alle seinem, Atanarjuats Beispiel folgen: täglich durchs Meer paddeln, nackt über’s Eis rennen, wöchentlich eine Algenkur (sich drei Stunden regungslos unter Algen legen), und kein Fleisch ausser Schneehase essen. Die Rocker wehren sich heftig, sie wollen weiterhin ranziges Robbenfleisch kauen und schmerzhafte Spässe machen. Es kommt zum entscheidenden Disput auf Glatteis. Atanarjuat kann sich schliesslich als Erneuerer der Gesellschaft durchsetzen, nachdem er eine Innovation präsentiert, die alle verblüfft: Birkenstöcke. Mit Hilfe eines Holzschuh-Modells demonstriert er seinen Gegnern die entscheidenden Vorteile des Gesundheits-Schuhs, und die Rocker müssen zugeben, dass sie nur zu gerne auch Birkenstöcke besitzen möchten. |
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REIGN OF FIREWir rapportieren aus dem Jahr 2020: alles wie gehabt! London ein russiges, vollgeschissenes Rattenloch, die Welt beherrscht von jenem Männchen, welches das Maul am weitesten aufreisst, Planet Erde im übrigen weiterhin der intergalaktische Sammelplatz für niedrige, aber laut schreiende Intelligenzen, und die Frauen stauchen sich immer noch im entscheidenden Moment den Fuss. Der Spitzenevent jener Jahre ist das Hervorkriechen eines riesigen Monsters aus einem ziemlich kleinen Loch. Nur zwei Dinge haben sich verändert: 1. Tomaten essen ist im Jahr 2020 ein tödliches Risiko. 2. Die Helden jener Zeit retten die Menschheit nicht mehr aus Liebe zum Menschengeschlecht, sondern mit dem Ruf auf den Lippen: Rache für Mutti! |